Origami

Du faltest, aus schwarzem Papier
goldene Kraniche, Sonnengleiche.
Du stellst sie ans Fenster,
sie schmiegen sich zärtlich
an die gemächlich wandernde Luft.
Und horch! Ein Rauschen geht
durch ihr Gefieder: Wolkensehnsucht
macht sich breit und knisternd breiten
Schwingen sich, wie Fischernetze aus.
Darin fängt sich ein sanfter Strom
und flügelleicht geht es hinaus, in
immer weit’ren Kreisen.
Der Wind, der wolkenbrüstig, sie
liebkosend in die Leere hebt,
erhitzt sich durch ihr Sommersein.
Er wirbelt liebestoll die leichten Federn
zwischen schwermütig treibende Wolken,
die fleckig den Himmel bedecken,
als hätte ein wirrer Poet sie gemalt.
Auf ein Paar, das im Park spaziert, fallen
regenwarm sommergoldne Papierfitzelchen.
Du schließt das Fenster,
ich habe genug gesehen.

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~ von gedichtblog - 12. Mai 2008.

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