Begräbnisnebel

Wenn, Jahr um Jahr, zur Weihnachtszeit,
den alten Gräbern drunt‘ im Moor
ein Nebel düst’ren Rufs entsteigt,
dann liegen bald die Ersten kalt
und klamm und tot im Erlbruchwald,
wo einst das halbe Dorf erfror.

Durch Nebel dünn und spinnwebschön,
bedrohlich und geheimnisvoll,
kann man die kahlen Bäume seh’n,
dort schimmert selbst die Sonne fahl:
Wo nichts mehr lebt, im alten Tal,
wo Nebel aus der Erde quoll.

„Begräbnisnebel“, flüstert man
und legt noch einen Riegel vor.
Derweil sind Priester und Dekan
in hilflosem Gebet versenkt,
kein Gott den Menschen Gnade schenkt:
der Nebel dringt durchs Kirchentor.

Dann abends dröhnt ein dumpfer Klang,
wie tausend Stimmen, zitternd kalt,
zu einem brüchigen Gesang
erhoben, aus dem Gotteshaus
und wandert klamm zum Moor hinaus,
wo Gräbern steh’n im Geisterwald.

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~ von gedichtblog - 28. Oktober 2008.

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