II. Den Toten

In Afghanistan weit
über dem Meer
im Herzen des Kontinents
trommeln die Schläge
zorniger Bauern
ein Stahlgewitter
gegen das Gesicht
der unsichtbaren Hand

Liebste, ich schreibe
dir diesen Brief
man hat mich versetzt
man hat mir gesagt
man braucht meinen Dienst
man hat nun ein Ziel
ins Auge gefaßt
es wird dann mein Auge sein
und mein Dienst
an der Waffe
und ich habe Angst
vor dem Tod
der Anderen

Liebste, sage
deinen Eltern und meinen
und unserem Kind
und den andren, die warm
in der Heimat sind
einen lieben Gruß von mir

Schau sagte sie
es ist wie ein Meer
die weißen Kreuze
hören nicht auf
Hör sagte sie
der Wind weht sehr stark
doch dieses Meer
bleibt wellenlos
Denk sagte sie
nur einmal daran
welche Geschichte
all diese Geschichten
an diese Erde verlor
Schau sagte sie
dort jenseits des Hügels
liegt Deutschland
und flüstert im Wind
Hör sagte sie
es flüstern die deutschen Lenkflugkörper
es flüstert die chemische Kriegsproduktion
es flüstert auf allen Kontinent
Denk sagte sie
dass der gemeinsame Nenner des Universums
nicht die Harmonie sei
sondern Chaos Feindseeligkeit und Mord

Ich hab gelesen
in Büchern und Büchern und Büchern
von den Tempeln des Mordens
den heiligen Schlachtfeldern
und traf dort die Toten
in lange Reihen
von Ziffern.

Mein Großvater erzählte
vom Krieg
von den sonnenwarmen Hügeln Südfrankreichs
und der Kälte
von der Freude und von der Angst
aber nie von den Toten
Ich denke an die Toten
und kenne sie nicht
Ich sage
das Dasein ist ein Nichts
und trinke
auf die Toten,
sie sind das Salz der Erde

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~ von gedichtblog - 26. Januar 2010.

3 Antworten to “II. Den Toten”

  1. Meinen Respekt, Herr J. Hat mich gegänsehautet.

  2. Der Blinde sprach von den Farben.

  3. Ach Henning, ich will ja gar nicht sagen, dass es dir so gehen sollte wie dem Briefschreiber am Anfang, und ansonsten ist es eben gerade das, wie sieht Krieg und Morden für jemanden aus, der das nur aus zwei Generationen Entfernung kennt.
    Wobei ich mich schon freue, dass du überhaupt etwas auf meinem Blog gelesen hast. Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass du irgendwas für Lyrik übrig hast.

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