Fernweh

Die weichen Haare werden
südlich rauer
dunkler
ein Versprechen auf der Wölbung
ihres Bauchs

Sie beginnt in ihrer Mitte
wie ein Tropfen
Farbe
fallend
der sich im Augenblick des Aufschlags
konzentrisch in die Risse
einer unebenen Oberfläche
versenkt

Sie liegt wie ein Vorhang von Regen vor mir
ein ständiges Gehen
das doch verbleibt
ein niemals dasselbe
Ich strecke die Hand nach ihr aus
berühre
und meine Finger sind nass

Sie tropft verhalten
langsam und mit Widerstreben
von meinen Fingern
sie läßt sich Zeit
die Viskosität ihrer Lust
ist wohl gewählt

Sie strömt durch veratmete Luft
auf der Thermik
die ihrer Haut entspringt
in hundert Gerüchen
die jeder für sich
ihren Namen tragen
Ich sauge sie tief
in meine Lungen
mache sie zu meiner Luft
und halte sie in mir

Sie legt ihr Salz auf meine Zunge
dass sich in meinem Speichel löst
und unvergesslich leicht
in meinem Bild von ihr vergeht

Sie schmeckt nach Meer
nach tiefen Strömungen die übers Jahr
in weiten Kreisen
Tod und Leben zueinander weisen.

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~ von gedichtblog - 12. November 2010.

Eine Antwort to “Fernweh”

  1. Ohne ein Fan von Wertungen zu sein.. eines deiner Besten… Meiner bescheidenen Meinung nach, eines der Besten überhaupt. Koitus der Sinnlichkeit und Sehnsucht

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