Nach dem Tanze

er steht jetzt wie ein Sack im Raum
viel hängt an ihm herab
ein Bauch, ein Hemd, ein Schlüsselband
ein ungepflegter Bart

der Bass geht hinter ihm spazieren
ein schönes Mädchen tanzt
sie gießt ihm Galle ins Gesicht
„weil du nicht tanzen kannst.“
singt sie ihm zu, die Stimme lockt
ihn wie ein Rehkitz an
er – bambilich badam badu –
ist stehend angetan

er schaut sie an, die Tänzerin
mit ihrem Tanzgeschick
und setzt den Mund zum sprechen an
da stinkt es fürchterlich
aus seinem Rachen nach Gefühl
nach Sommertotenduft
sie tanzt sich ganz schnell weg von ihm
und seiner warmen Luft

die hohen Töne tirillieren
den Mädchenlustgesang
der Sack von Mann steht stumm herum
und glotz die Decke an
die Decke ist ein schwarzes Loch
das von der Schönheit lebt
in einer Ecke hängt ein Netz
dass im Gewummer bebt

eine Fliege hängt im Netz
schon lange hohl und still
sie zittert sinnlos noch im Beat
solang der Beat das will
und was am Sack so runterhängt
das zittert auch im Bass
der Rest von ihm ist starr wie Stein
und manchmal starr wie Glas

der Bass geht hinter ihm spazieren
sein Arsch bewegt sich nicht
die hohen Töne tirilieren
sein Glasgesicht zerbricht

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~ von gedichtblog - 14. Juli 2012.

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