Kabine

Schwerer Stoff
hängt, halb beschirmend,
zwischen dürrem Holz.
Licht beschimpft mich
von oben.

Im Spiegel hart enthüllt,
wölbe mich konvex,
ein Schönsoll, krumm verkrüppelt.
„Diese Hose steht dir nicht“

Ob meiner Häßlichkeit
erbreche ich mich ein wenig
in meinen Mund.
„Gibt es das auch in S?“

Säurebleiche Worte sagen
dem Spiegel, wer ich bin.
Knie vor ihm nieder.
Jemand verkauft einen Bikini.

Nackt und erkannt
bitte ich um Vergebung
vor dem Blick, der jeden Schleier
durchdringt.
„Ich glaube ich nehme den in Pink.“

Mit hosengefesselten
Knöcheln erhebe ich mich
ungeschickt.
Andere Pullover verschlingen
ausgemergelte Oberkörper.

Neue Kleider
versuchen sich meiner Masse
zu bemächtigen.
„Möchten sie mal Bell
Bottom probieren?“

Ich suche größere
Größen, wenn ich gehe
rutscht es.
Das Licht ist überall gleich.

Mein Körper passt
keiner der vielen Hosen.
Jede will ihn anders.
„Soll ich es ihnen einpacken?“

Da meine alte Hose
zwischen den Beinen
durchgewetzt ist
kaufe ich, was mich
am ehesten ertragen kann.

Als ich das Licht verlasse
schlurfe ich im Mantel
der Sichtbarkeit durch das
Ödland des Einkaufszentrums
„Darfs noch was süßes sein?“

Häßlicher bin ich nie

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~ von gedichtblog - 21. September 2012.

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