Vor dem Frühstück

Als er erwachte wusste er nicht
wo sein Kopf gelegen, noch wo sein
Hut geblieben war. Er hatte beides
verloren.

Er rührte sich mit steifen Gliedern
und die Sonne brach in Stücken durch
die Risse der Jalousie. In seinem Kopf
floss Honig.

Er atmete ein und erkannte in der
verweilenden Luft der Nacht den Geruch
ihres Schlafes. Der hatte tief in ihm
ein Nest.

Er drehte den Kopf und sah sie atmen.
Der Morgen lag hell auf ihr. Sie war
zu Hause in ihrem Duft, ihr Haar ein
goldenes Kissen.

Sie hatte gestern ihre Lippen geöffnet,
rot und rot. Das Spiel ihrer Wünsche neu
und vertraut, wie tanzender Regen auf
ausgedörrter Erde.

Sie hatte getanzt zu ihrem Madrigal
der Nacht, ein Wogen und Klingen, von den
Augen bis in die Zehen, ein Wollen
und Werden.

Sie hatte mit ihrer schmalen Hand
die seine gefunden und zwischen ihnen
waren Gedichte gewesen, und Stille vor
den Küssen.

Mehr als Worte waren so
von Lippen zu Lippen gewandert
und über die Haut an die Nervenenden
des Glücks.

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~ von gedichtblog - 7. November 2012.

Eine Antwort to “Vor dem Frühstück”

  1. Du schreibst so schön… Ich muss dich verlinken… ich kann nicht anders.. ich möchte immer wieder zurück… obwohl ich.. ich frühstücke nie…

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