Abschiedsbrief

Dir
möchte ich schreiben
ein Gedicht
 an dich
  über dich
aber die Nacht
 ist halb vorbei
und mich starren
  Fragmente
  und Fragezeichen
 vom Bildschirm herab
an

Wie wäre es
wenn ich wieder vierzehn wäre?
Ich schreibe
 „Du“ oder „An dich“ oder „Für dich“
  oder „Sehnsucht“
 als Titel auf ein graues Blatt
  das sich mit ungeschickten Reimen füllt
Ich male Herzen daneben
 und verstecke dein Gedicht
  mein Gedicht an dich
 ohne meinen Namen
  in deiner Tasche
   Tage später
    liegt es einsam
     auf meinem Tisch.
Du und ich, wir
 sprechen nie darüber.
Aber die Nacht ist halb vorbei
und ich bin schon lange
 keine vierzehn mehr

Es ist nicht so, dass ich dich
 für mich
  gewinnen will.
Ja,
 mir ist oft nach dir
 und ich hänge im Halbschlaf
  deinem Duft nach,
 lausche den Spuren deiner Gedanken,
 und taste nach den Abdrücken
  deiner Fingerspitzen auf meiner Haut,
 aber ich schreibe dir nicht
  in der ungeschickten Hoffnung,
   dass irgendein Zauber
    sehnsüchtiger Dichtungen
   dich doch noch davon überzeugen könnte
  mich toll zu finden.

Solche Fehler vermeide ich
 heute, stattdessen
  schreibe ich
 Liebesgedichte ohne Adressaten
 und Liebesbriefe für die Schublade.
Jedoch für
 dich will ich
   eine Ausnahme machen.
Aber die Nacht ist halb vorbei
 und die Fragezeichen sind nicht leiser geworden.

Wenn ich zwanzig wäre
 und einen Stapel klagender Texte
  ohne Reime und ohne
   Ich liebe dich am Ende
    angesammelt hätte
 um sie dir
  unter Tränen
   vor die Füße zu werfen
 als sei
  mir das Herz zu brechen
   das ganze Jahr über
    dein einziges Projekt gewesen,
 dann würde ich verdrängen,
  dass du von allen die einzige warst
   der ich nie von dir vorgeschwärmt hatte.

Aber du und ich,
 wir standen im Licht
  und verstanden uns
   manchmal.
Kein Geständnis
 unter Tränen
  verzweifelt und sehnsüchtig
 nach dir die Hände
  ausgestreckt
   und du mit nichts
    im Blick
 außer Mitleid und Schuld
  als hättest du mir
   Hoffnungen gemacht.
Dabei wuchtete ich
 mein Gewicht
  ohne Vorwarnung auf deine Schultern.
Wir wissen beide,
 dass ich nicht leicht bin auch deshalb
  will ich dir diese Szenen ersparen.

Aber viel ist nicht mehr übrig
von der Nacht
und dieses Gedicht
ist noch nicht zu Ende.

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~ von gedichtblog - 3. August 2013.

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